Feiertage, Brückentage, Ferienbeginn — für Autofahrer in Deutschland bedeuten diese Tage nicht nur Stau auf den Autobahnen, sondern auch spürbar höhere Spritpreise. Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K) und der ADAC beobachten seit Jahren ein wiederkehrendes Muster: Bereits drei bis fünf Tage vor einem langen Wochenende beginnen die Kraftstoffpreise zu steigen. Am Abreisetag erreichen sie ihren Höhepunkt — und fallen erst nach dem Feiertag langsam wieder auf Normalniveau. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie die Preiszyklen zu Ihrem Vorteil nutzen, welche Tankstellen an Feiertagen geöffnet sind und wann Sie am besten tanken, um nicht zu viel zu bezahlen.
Haben Tankstellen an Feiertagen geöffnet?
Die kurze Antwort: Ja, die meisten Tankstellen sind an Feiertagen geöffnet. Tankstellen fallen in Deutschland unter die Ausnahmeregeln des Ladenschlussgesetzes und dürfen rund um die Uhr öffnen — auch an Sonn- und Feiertagen. Das gilt für den Kraftstoffverkauf und für den Shop-Bereich (Reisebedarf, Getränke, Snacks).
In der Praxis gibt es allerdings Unterschiede:
- Autobahn-Tankstellen: Immer 24/7 geöffnet, inklusive Shop und WC. An Feiertagen mit erweitertem Sortiment (Blumen, Geschenke, Grillkohle).
- Große Markenstationen (Aral, Shell, Esso, Total): In Städten und an Bundesstraßen in der Regel durchgehend geöffnet. Kassenbereich und Shop sind besetzt.
- Freie Tankstellen (JET, HEM, AVIA): Meist geöffnet, aber kleinere Stationen auf dem Land können reduzierte Öffnungszeiten haben oder nur Automatenbetrieb anbieten.
- Kleine ländliche Stationen: Hier kann der Kassenraum geschlossen sein. Die Zapfsäulen funktionieren dann nur mit Kartenzahlung am Automaten (EC-Karte oder Kreditkarte). Bargeld wird nicht akzeptiert.
Tipp: Verlassen Sie sich an Feiertagen nicht darauf, Bargeld an der Tankstelle wechseln zu können. Haben Sie immer eine funktionsfähige Bankkarte dabei. Prüfe die Preise in Berlin, München oder Hamburg vorab.
Spritpreise vor und an Feiertagen
Die Preismechanik rund um Feiertage folgt einem vorhersehbaren Muster, das der ADAC seit Jahren dokumentiert. Die Mineralölkonzerne wissen genau, wann die Nachfrage steigt — und passen ihre Preise entsprechend an.
Der typische Preiszyklus um einen Feiertag sieht so aus:
- Montag/Dienstag: Preise noch auf Normalniveau. Dies ist der beste Zeitpunkt zum Tanken.
- Mittwoch/Donnerstag: Erste Preiserhöhung um 2 bis 4 Cent. Wer bis hier nicht getankt hat, sollte es spätestens Mittwochabend tun.
- Freitag (Abreisetag): Höchstpreise. Aufschläge von 5 bis 8 Cent gegenüber dem Wochenbeginn. An Autobahn-Tankstellen in Reisekorridoren kann der Aufschlag sogar 10 bis 15 Cent betragen.
- Samstag/Sonntag: Preise bleiben erhöht, sinken aber leicht gegenüber Freitag.
- Montag nach dem Feiertag: Rückreisewelle hält die Preise oben. Erst ab Dienstag normalisiert sich das Niveau.
Mehr zur täglichen Preismechanik in unserem Ratgeber Wann ist die beste Zeit zum Tanken?.
Die teuersten Tage im Jahr für Autofahrer
Nicht jeder Feiertag wirkt sich gleich stark auf die Spritpreise aus. Die teuersten Perioden sind diejenigen, an denen viele Deutsche gleichzeitig verreisen. Basierend auf MTS-K-Daten und ADAC-Auswertungen der letzten Jahre sind dies die Spitzenreiter:
- Christi Himmelfahrt / Vatertag (Donnerstag): Der teuerste einzelne Feiertag. Viele nehmen den Freitag als Brückentag, was ein viertägiges Wochenende ergibt. Kurzurlaubs- und Ausflugsverkehr treiben die Preise massiv nach oben. 2026 fällt Christi Himmelfahrt auf den 14. Mai.
- Karfreitag / Osterwochenende: Der Klassiker. Vier Tage frei, viele Familien fahren in den Kurzurlaub. Die Preise steigen bereits ab dem Dienstag vor Karfreitag. 2026: 3.–6. April.
- Pfingstwochenende: Besonders in Bayern und Baden-Württemberg (wo es Pfingstferien gibt) steigen die Preise stark. 2026: 23.–25. Mai.
- Beginn der Sommerferien: Die Preise steigen staffelweise, je nachdem welche Bundesländer gerade in die Ferien starten. Besonders teuer wird es, wenn NRW (das bevölkerungsreichste Land) beginnt.
- Weihnachten und Silvester: Die Kombination aus Familienbesuchen, Skiurlaubern und Winterferien sorgt für erhöhte Preise über die gesamte Weihnachtszeit. 2026: 25.–26. Dezember.
Wann am besten tanken vor dem Feiertag?
Die goldene Regel lautet: Dienstag- oder Mittwochabend tanken, bevor das Feiertagswochenende beginnt. Die optimale Uhrzeit ist zwischen 18 und 20 Uhr — dann sind die Preise laut MTS-K-Daten am niedrigsten im Tagesverlauf.
Konkrete Empfehlungen je nach Feiertagstyp:
- Brückentags-Wochenende (Do frei, Fr Brücke): Spätestens Mittwochabend tanken. Ab Donnerstagmorgen sind die Preise bereits oben.
- Langes Wochenende (Fr–So + Mo frei): Dienstag- oder Mittwochabend tanken. Die Preise steigen schon am Donnerstag spürbar.
- Ferienbeginn: Idealerweise eine Woche vorher tanken, wenn der Tank es zulässt. Ansonsten mindestens 3 Tage vor dem letzten Schultag.
- Weihnachten: Spätestens am 22. Dezember abends tanken. Die Preise steigen ab dem 23. merklich.
Zusatztipp: Wer auf der Reise tanken muss, sollte nicht an der ersten Autobahn-Tankstelle halten. Lesen Sie dazu unseren Ratgeber Tanken auf der Autobahn und den Spritpreis-Prognose-Guide.
Reisewellen und Staugefahr
Wer an Feiertagen unterwegs ist, muss neben höheren Spritpreisen auch mit erheblichen Staus rechnen. Der ADAC veröffentlicht vor jedem langen Wochenende eine Stauprognose, die sich an den Ferienterminen der einzelnen Bundesländer orientiert.
Die stauanfälligsten Strecken an Feiertagen:
- A7 (Hamburg – Hannover – Kassel – Würzburg – Ulm – Füssen): Die längste Autobahn Deutschlands und Hauptader Richtung Alpen
- A1 (Hamburg – Bremen – Köln): Norddeutsch-Westfalen-Korridor
- A3 (Köln – Frankfurt – Nürnberg – Passau): Ost-West-Achse Richtung Österreich
- A8 (Stuttgart – München – Salzburg): Bayern-Korridor in die Alpen
- A9 (Berlin – Nürnberg – München): Berlin-Bayern-Verbindung
- A5 (Frankfurt – Karlsruhe – Basel): Korridor Richtung Schweiz und Frankreich
Stau-Spartipp: Stau bedeutet auch höheren Kraftstoffverbrauch. Wer im Stop-and-Go steht, verbraucht 30 bis 50 Prozent mehr Kraftstoff als bei gleichmäßiger Fahrt. Planen Sie Ihre Route über weniger befahrene Bundesstraßen, wenn die Stauprognose schlecht ist — lesen Sie dazu unsere Tipps zum Sprit sparen.
Alle gesetzlichen Feiertage in Deutschland 2026
Die folgende Übersicht zeigt alle Feiertage 2026, die für Autofahrer relevant sind. Beachten Sie, dass einige Feiertage nur in bestimmten Bundesländern gelten — das beeinflusst die Reisewellen und Stausituation regional.
- 1. Januar: Neujahr (bundesweit)
- 6. Januar: Heilige Drei Könige (BY, BW, ST)
- 3. April: Karfreitag (bundesweit)
- 6. April: Ostermontag (bundesweit)
- 1. Mai: Tag der Arbeit (bundesweit)
- 14. Mai: Christi Himmelfahrt / Vatertag (bundesweit) — Brückentagspotenzial!
- 25. Mai: Pfingstmontag (bundesweit)
- 4. Juni: Fronleichnam (BY, BW, HE, NW, RP, SL + Teile von SN, TH)
- 15. August: Mariä Himmelfahrt (BY teilweise, SL)
- 3. Oktober: Tag der Deutschen Einheit (bundesweit) — Samstag, kein Brückentag
- 31. Oktober: Reformationstag (BB, HB, HH, MV, NI, SN, SH, ST, TH) — Samstag
- 1. November: Allerheiligen (BY, BW, NW, RP, SL)
- 25.–26. Dezember: Weihnachten (bundesweit) — Freitag und Samstag, langes Wochenende
Tipp: Nutzen Sie E10, um zusätzlich 3 bis 5 Cent pro Liter zu sparen — besonders in Zeiten hoher Preise lohnt sich die günstigere Kraftstoffsorte.
Feiertage in Österreich und der Schweiz
Wer in die Nachbarländer fährt, sollte auch deren Feiertage kennen — sie beeinflussen den Grenzverkehr und die Preise an den Grenzstationen:
Österreich: Hat einige zusätzliche Feiertage, die Deutschland nicht hat, darunter den Nationalfeiertag am 26. Oktober, Mariä Empfängnis am 8. Dezember und den Staatsfeiertag am 1. Mai. Die österreichische Autofahrerorganisation ASFINAG veröffentlicht vor jedem Feiertag eigene Reisewarnungen und Stauprognosen für die Transitrouten. Kraftstoff ist in Österreich meist 5 bis 10 Cent günstiger als in Deutschland — ein Tankstopp auf dem Weg in den Süden lohnt sich.
Schweiz: Die Schweiz hat kantonale Feiertage, die sich stark unterscheiden. Bundesweit gelten nur Neujahr, Auffahrt (Christi Himmelfahrt), Bundesfeiertag (1. August) und Weihnachten. An Schweizer Feiertagen kann der Grenzverkehr zunehmen, da Schweizer zum Tanken nach Deutschland fahren (Kraftstoff in der Schweiz kostet etwa so viel wie in Deutschland, aber die Mehrwertsteuer auf andere Einkäufe ist deutlich niedriger). Mehr dazu in unserem Ratgeber Tanken in der Schweiz.
Spartipps für Feiertags-Fahrten
Zusammengefasst die wichtigsten Strategien, um an Feiertagen nicht zu viel für Kraftstoff zu bezahlen:
- Vorausschauend tanken: Füllen Sie den Tank Dienstag- oder Mittwochabend vor dem Feiertag. Der Preisunterschied zum Freitag beträgt oft 5 bis 8 Cent pro Liter — bei einem 60-Liter-Tank sind das bis zu 4,80 Euro Ersparnis.
- Autobahn-Tankstellen meiden: Die Preise auf der Autobahn liegen generell 10 bis 20 Cent über dem Ortsniveau. An Feiertagen ist der Aufschlag noch höher. Nehmen Sie eine Ausfahrt und tanken Sie an einer Landstraßen-Station.
- Freie Tankstellen bevorzugen: JET, HEM, AVIA, bft und andere freie Marken sind im Schnitt 5 bis 10 Cent günstiger als Aral, Shell oder BP — bei identischer Kraftstoffqualität nach DIN EN 228.
- Nebenrouten nutzen: Wer über Bundesstraßen statt die Autobahn fährt, spart nicht nur Sprit (gleichmäßigere Geschwindigkeit = niedrigerer Verbrauch), sondern findet auch günstigere Tankstellen und umgeht die schlimmsten Staus.
- Früh oder spät fahren: Die Reisewelle rollt typischerweise zwischen 8 und 14 Uhr am stärksten. Wer sehr früh (vor 6 Uhr) oder am späten Nachmittag (ab 17 Uhr) startet, hat weniger Stau und geringere Tankkosten, da die Abendpreise niedriger sind.
- Tankkarten mit Rabatt: Manche Tankkarten (z. B. DKV, UTA, LogPay) bieten Festpreise oder Rabatte, die sich besonders an Hochpreistagen lohnen. Mehr dazu in unserem Ratgeber Tankkarten im Vergleich.
- Spritpreise vergleichen: Die MTS-K-Preismeldepflicht sorgt dafür, dass alle Tankstellen ihre Preise in Echtzeit melden müssen. Nutzen Sie Apps und Vergleichsportale, um die günstigste Station auf Ihrer Route zu finden. Schaue dir die aktuellen Preise in deiner Stadt an — zum Beispiel in Berlin, München oder Hamburg.